Die Seenotretter

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Mittwoch, 7. Oktober 2026

179. Alibi Silencio

Guten Morgen aus Hanekenfähr - kleine Morgenrunde ums Hotel rum.


AHAA! Man kann wieder durchfahren! Das sind schon mal good news.


Am Wasserfall, bzw. am Wehr.


Direkt vor dem Wehr liegen mit Strömung ist irgendwie ne spezielle Nummer. Das Wasser rauscht in einer Tour und kurz hinter der Silencio ist die Absperrung zum Wehr.



Zurück lauf ich über den Hotelparkplatz ... Kein Weiterkommen hier, jedenfalls nicht mit dem Bus.


Am Zigarettenautomaten komm ich ins Grübeln - hm, WAS will mir dieses Bild sagen?? Gibts hier noch was anderes als normale Zigaretten?? Ich weiß es nicht.


Frühstück gibts jetzt mit Sonnenschein ...




... und nebenbei hören wir den Revierfunk mit. Es ist was los hier, auch wenn die Sperre in unsere Fahrtrichtung aufgehoben ist. Es geht richtig rund!! Die Schleuse Gleesen, unsere letzte gestern, ist gesperrt, weil defekt. Ein Frachter fragt an, wie lange das dauert: Antwort von der Schleuse: "Kann ich übers Wasser gehn??" Voraussichtlich dauert das bis Freitag. WAS für ein Glück wir doch haben, dass wir schon durch sind und bereits im Unterwasser liegen. Aus dem Oberwasser meldet sich ein Sportboot - die Schleuse fragt nach, wer denn da funken würde!?!? DA kennen wir nur einen, der nicht richtig funken kann ... und siehe da, was sehen wir auf dem AIS??? NA??? Die SENANG  - und DIE hat das momentane Glück schoon wieder verlassen. Nix geht bis Freitag!

Wir hingegen bereiten uns langsam aufs Ablegen vor. Die Routine sieht heute bisschen anders aus. 
- Der Handtuchteppich für Jack wird abgeräumt.
- Cheffe rollt 3 x 50 Meter Stromkabel auf.
- Das WSA Schiff LINGEN wird angefunkt. Erstens bedanken wir uns fürs Asyl am WSA-Liegeplatz, zweitens haben wir ein irre schweres Reibholz aus Hartgummi mit Tampen dran aus der Schleuse Gleesen gefischt und hier an Land gelegt. DAS teilen wir der LINGEN auch gleich mit, und drittens holen wir nochmal die Bestätigung ein, dass wir fahren können. Kurz drauf, wir liegen noch, kommt die LINGEN zu uns ...




... das Reibholz können wir gleich übergeben und der Lingenkäptn meint, damit könne er einen Frachter Kapitän glücklich machen. Sie bedanken sich, wünschen weiter gute Fahrt und winken fröhlich .


Jack nimmt seinen Stammplatz für die Fahrt ein ...


... es geht los - 


- sollte ganz gechilled werden, denn, wie gesagt, an der Schleuse Gleesen geht gar nix! Frachter, die sich noch anmelden, werden auf Liegestellen weit vorher verwiesen. Trotzdem werden die Schleusenränge zugeteilt, mittlerweile liegen schon 12 Frachter vor Gleesen. Einer kommt noch dazu - Eiltank Nummer XY - den lassen wir noch vorbei.



Dann biegen wir ein Richtung Hanekenfähr. Gleich ums Eck rum zeigt sich das Sperrwerk.


Am Funk hören wir nochmal die LINGEN: "MARIA, ich hab ein Reibholz für euch." "Jou, nehm ich!" Im AIS zeigt sich, dass die LINGEN vor uns her fährt, allerdings deutlich schneller als wir. Vor Lingen liegt sie still und der Käptn kommt nochmal raus zum Winken und wünscht uns gute Weiterfahrt.


Super nett - überhaupt alle hier. Ich bewundere ja die Schleusenwärter für ihre Gelassenheit - bei dem Chaos sind sie trotzdem immer freundlich und geben ihr Bestes.

In Sicht kommt die Raffinerie Lingen.




Da kommen die ganzen Eiltanker,  Deymanns und wie die Tanker alle heißen her. Grade passiert uns BIRGIT DEYMANN.


Apropos Birgit? Für die YOLO ist die Saison beendet, sie steht schon gut eingepackt und winterfertig an Land.

Wir hingegen fahren, jedenfalls heute gemütlich, weiter Richtung Holland. Nochmal vor Regen und Wind bei herrlichem Spätsommerwetter.


Die Fender dürfen während der Fahrt heute mal rein. Bis zur ersten Schleuse heute sind es immerhin 20 Kilometer. Gestern waren wir übrigens 10 Stunden unterwegs mit 6 Schleusen und das für sage und schreibe gerade mal 33 Kilometerchen.


Wir fahren ins Oberwasser der Schleuse Varloh ein - die erste Kammer zu Tal ist unsere, so wies ausschaut allein, während hier die Frachter auf die Weiterfahrt im Oberwasser warten. Die Hoffnung stirbt zuletzt - vielleicht gehts morgen weiter. Aber wohl eher dopodomani - übermorgen.


Kleine Info am Rande - Lichtmaschine tut heute wieder wie sie soll! MIT Kühlschrank. Da mach ich mir nachher noch ein Käffchen. Eine neue Lichtmaschine ist sicher ein Thema, welches wir im Winter in der Werft angehen werden. 22 Jahre und bis jetzt 3.600 Betriebsstunden sind halt eine Zeit, wo das eine oder andere Teil eines Motors langsam müde wird. Wir werden für die Schleusung aufgerufen, als der Bergfahrer ausgefahren ist. Allerdings legt er direkt nach der Ausfahrt an und sein Schraubenwasser bringt Cheffe bei der Einfahrt mächtig ins Schwitzen. Im Schleudergang trudeln wir rein in die Kammer. Dafür gibts komfortable Stangen und es geht chilllig bergab. Das Tor geht auf, da steht der nächste Dicke schon davor. 



Müssen wir uns wohl oder übel vorbeiquetschen. Und - Überraschung, danach kommt gleich noch ein Dicker. Den muss Cheffe mal über Funk aufmerksam machen, dass wir ein kleines bisschen mehr Platz bräuchten. Macht er dann auch! Bis zur Schleuse Meppen sinds nur wieder 5 Kilometer, Zeit nochmal durchzuatmen.


Da isse auch schon - Schleuse Meppen. Wir warten wieder auf den Bergfahrer und dürfen dann allein zu Tal. 


Grade laufen wir unsere letzte Schleuse des Tages an, da braust hinter uns die Wasserschutzpolizei daher und fotografiert schon unser Kennzeichen. Cheffe sieht sie schon ne ganze Weile im AIS und die geben richtig Gas - 50 kmh!! Was wollen se?? Bitte mal das Fahrzeug zum Stehen bringen - die WaschPo kommt längsseits ran - Kontrolle!


Was wollen sie sehen?
- Kleinfahrzeugschein - ham wir nicht, dafür das Flaggenzertifikat. Ja, DAS nehmen sie auch.
- Sportbootführerschein Binnen? Ham se? Klaro!
- Funkzeugnis Binnen? Ham se auch? Klaro!
- Ersatzbrille ham se? Sowieso!
Alles wird gecheckt und fotografiert. Wat noch?
- Binnenschifffahrtsordnung in der aktuellen Version? Ham se? 
- Handbuch Binnenschifffahrtsfunk auch aktuelle Version? Ham se?
Mit markiger Stimme sagt Cheffe: NATÜRLICH - soll ichs holen? Nee, glauben wir auch so. Na Gott sei Dank. Wir haben zwar alles da, aber nicht die aktuelle Version. (Am Abend schaut Cheffe nach - Version 2012 ... nicht ganz aktuell, aber fast! Nächstes Jahr gibbet was Neues!) Dann noch bisschen Smalltalk - wo gehts hin, gute Weiterfahrt und fort sin se wieder.


Da fahren se dahin. Wollten halt heute mal schnell fahren bei dem schönen Wetter und da brauchts eben ein Alibi - und das waren WIR!


Wir melden uns bei der Schleuse an - dauert bisschen, dümpeln ist angesagt. Steuerbords am Ufer sehen wir den Kühlturm des ehemaligen Kraftwerks Meppen-Hüntel. Der 131 Meter hohe Kühlturm wurde vom Künstler Christoph Rhis mit einer Weltkarte bemalt. Laut Guinness - Buch der Rekorde handelt es sich um die größte Weltkarte der Erde.



Schleusung sehr gemütlich, nur muss man aufpasssen, dass man keine nassen Füsse bekommt.


Den Hafen in Haren/Ems erreichen wir kurz nach 3 - diese gechillte Fahrt heute haben wir uns gestern hart verdient und auch nochmal einen wunderschönen Sommernachmittag. Kurzehosenalarm!


Cheffe meldet uns beim Hafenmeister an, sobald Strom liegt, will ich was kochen. Aber ... ist Cheffe erstmal beim Hafenmeister, dann taucht er so schnell nicht wieder auf. Ich mach mir nen Kaffee, schnapp mir mein Buch und lese in der Sonne, irgendwann wird er ja wohl wieder auftauchen. Cheffe kommt nach ner halben Stunde zurück und ist begeistert. So ein engagierter Hafenmeister! Der hat gleich geschaut wegen unserer Weiterfahrt evtl. am Montag wegen den Gezeiten. Kommentar: "DAS ist ja mal ne Scheißtide von der Uhrzeit her!" Also, das geht schon mal gar nicht. Auch die Option in Leer Zwischenstation zu machen klappt nicht, denn dann verschiebt sich die Tide weiter um eineinhalb Stunden nach hinten, kämen wir auch in die Dunkelheit. Weiter warten is auch nicht so dolle, dann ist Tide ganz früh, um diese Jahreszeit auch doof wegen Nebel eventuell. Außerdem lassen sie an der Schleuse Herbrum beim derzeitigen Mordsbetrieb die Sportis lange warten. Die verdaddeln zu viel Zeit bis sie in der Kammer sind und fest liegen. Machmal wartet man wohl stundenlang, dann is die Tide auch wieder dahin. Wat nu? Bleibt die Option Haren - Rütenbrock - Kanal. Der Wasserstand scheint wieder zu stimmen, jedenfalls auf deutscher Seite. Was im holländischen Teil los ist, müssen wir noch erfragen. 

Ja, wenn ihr diesen Kanal fahren wollt, könntet ihr ja morgen schon wieder los. Geb ich euch das Liegegeld zurück! Nee, nee, WIR machen erstmal Pause und klären ganz in Ruhe, wie wirs machen und was geht.

Jetzt gibts auf jeden Fall Spaghetti Bolo in der Plicht, mit nem Rotwein dazu. 




Cheffe serviert den Nachtisch - es sind noch mitgebrachte Pralinen von Florian da - genau das Richtige!


Doch leider fliegt beim Servieren dieser Leckerei Cheffes Weinglas durch die Plicht. Einmal quer durch, mit spitzen Glasscherben überall. Putzaktion vor Pralinendessert. Aber dann - Genuss!!

Abendprogramm für Cheffe - Karten studieren und planen, Abendprogramm für mich - Krimi weiterlesen. Ich bin außer fürs Essen an Bord sonst fürs Grobe zuständig hier - Fenderschubsen und so ... mit Planung hab ich nix am Hut.


Fazit des Tages:

- Fliegt der Wein quer durch die Plicht,

- und das Weinglas dir zerbricht,

- isses Ebbe mit deim Wein,

- genau wie auf der Elbe und dem Rhein.




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