Kurz nach 5 Uhr starten die Frachter an der Liegestelle ihre Motoren und legen ab. Sagt jedenfalls Cheffe. ICH krieg davon gar nix mit ... um FÜNF ... da schlaf ich noch tief und fest, da weckt mich doch so ein Schiffsdiesel nicht auf!
Bei uns gehts erst halb 7 aus den Federn, etwas zäh läuft die Morgenroutine an bei mir. Was auf der YOLO der Morgenkaffee ist, ist bei mir der Foto.
Kontaktlinsen rein, raus in die Plicht und durch die Linse guggen - Klick! Guten Morgen!
Nach den ersten Fotos tausch ich den Schlafanzug mit meiner Tourklamotte - Laufhose, damit beim Gehen am Gangbord und beim Schleusen nix um die Beine schlackert, und einen lockeren Pulli. Jeden Fahrtag gibts das gleiche Outfit.
Jack ist bereit fürs Morgengassi. Irrtümlichweise steht er an der Heckklappe - sorry Jack, no Gummigurke ... leider leider musst du über diesen Steg laufen.
Dieses Gitter ist für einen Hund, mit Verlaub, richtig Scheiße! Und auch gefährlich! Gestern ist Jack in aller niedrigster Gangart drüber geschlichen, aber heute ... da hab ich eine Idee. Und bitte - der Laufsteg ist bereitet! Und sorgt gleichzeitig für Cheffes Frühsport - auch nicht verkehrt. Es steht ja wieder eine lange, bewegungsarme Fahrt bevor.
Jack darf nochmal am MLK sausen mit Morgenstimmung ...
.. da ertönt das Horn der Silencio. Wasn JETZT los?? Ein Frachter kommt langsam daher und dem will Cheffe vorneweg fahren. Beeilung also, aber erstmal müssen wir wieder mit Jack übern nicht roten Teppich tänzeln. Dann Leinen los und ab die Post. Übrigens, diese Liegestelle gehört zum
Leider bekommt der Ausdruck Blaues Band derzeit ja eine ganz neue Bedeutung in Sachsen-Anhalt. Aber - wichtige Frage jetzt: WO bleibt eigentlich der Frachter? Der kummt ned, brummt ned - am Plotter war die Anzeige noch verkehrt rum - der Frachter kommt uns entgegen. Auch recht! Und überhaupt - ist unglaublich viel Traffic schon im Gegenverkehr. Wie ne aufgefädelte Schnur schauts im AIS aus.
Ich verschwinde mal in der Kombüse - Cheffe kriegt Müsli, ich Kaffee. Dazu ein herrlicher Morgen!
Kaum gefrühstückt, knackts in der Funke. Hier bei Kilometer 256 am MLK.
" Silencio für Gabi" - "Silencio hört, guten Morgen!" - "Bitte Steuerbord/Steuerbord" - "Alles klar, Steuerbord/Steuerbord!" Am MLK ein ungewöhnliches Ansinnen. Wir wechseln die Fahrseite nach Backbord, damit wir uns Steuerbords begegnen können. Da kommt GABI schon um die Ecke.
Da wird nun auch klar, warum Steuerbord/Steuerbord - die GABI will anlegen.
Übrigens gibts hier auch wieder ne Sportiliegestelle - wie mittlerweile sehr verbreitet, liegt hier auch Schrott rum. Die erlaubte Liegezeit von 3 Tagen bestimmt schon deutlich überschritten.
Schon knatterst wieder in der Funke - "Silencio für Neckar" - ja was is denn heut los?? "Silencio hört" - "Fahren Sie los, ich mache langsam!" ... Sehr vorausschauend - wir müssen eine Engstelle mit Begegnungsverbot passieren. Dann los! Und hinterher ... Silencio sagt Danke!
Wir winken der NECKAR im Vorbeifahren zu.
Es geht ne Weile so dahin auf dem MLK, ich fang schon mal mit dem Blog an. Sonst vergess ich bis abends wieder die Hälfte ... und da fällt mir ein - wann kommt eigentlich Wolfsburg. "DA!", sagt Cheffe. Die typischen Türme lugen schon ums Eck.
Da lagen wir schon oft und IMMER hatten die Hunde sehr viel Spaß dort. Warum? Weil an der kleinen Böschung daneben hunderte von Karnickeln wohnen - und die hatten auch ihren Spaß dabei, unsere Hunde zu foppen. Kurz mal die Löffel ausm Loch strecken - Ätschibätsch - und wieder abtauchen.
Da schwelg ich grad noch in Erinnerungen, dann passiert's!! Hinter uns legt in Wolfsburg ein Schiff aus der Marina ab und kommt hinter uns her. Es ist ... die SENANG. Oh Mann!! Was bedeutet eigentlich Senang? Kommt aus dem Indonesischen und bedeutet - Achtung festhalten - MOMENTANES GLÜCK! Ja, nicht für mich gerade! Aber, nicht zu ändern. Konzentration Voraus - Engstelle in Sicht und Gegenverkehr. Begegnungsverbot. Wir kommen noch gut durch ...
... aber das Momentane Glück hat Pause!! So vergrößert sich doch gleich mal der Abstand bis zur Schleuse Sülfeld. Doch da heißts zunächst warten für alle. Von der Schleuse heißts, wir werden aufgerufen. Da kann man sich drauf verlassen. Wir warten so dahin, da rufts von draußen: "Hallo Silencio!" What? Wer isses? Herr SENANG, der Glückliche. Er fragt, ob wir uns bei der Schleuse angemeldet haben. Ja natürlich! Aha, er bekäm nämlich keine Antwort. "Geht das über Funk? Ist doch Kanal 1?" Nee, DAS ist Schleuse Hohenwarthe, hier brauchts Kanal 20. Ach so! Cheffe sagt, dass wir Bescheid kriegen von der Schleuse und wir dann die SENANG mit anmelden. Ok.
Kurz drauf Funke: "Wir wollen schleusen."
Schleuse: "Wer is wir ?"
"Na die SENANG."
Schleuse: "Wie lang seid ihr?"
"16 Meter"
Schleuse: "SECHZEHN Meter!? Ihr seid ein Sportboot oder?"
"Ja"
Schleuse: "Ihr werdet aufgerufen."
Hatten wir ihm auch schon gesagt! Dem Gscheiderle!
Aufgerufen werden wir nicht über Funk, heute über Lautsprecher: "Die Sportboote bitte in die Schleuse einfahren." Na dann rein in die gute Stube ...

Wir legen uns gleich hinten an BB an den zweiten Schwimmpoller. Die SENANG winkt Cheffe gleich an uns vorbei und sagt ihm noch, dass die nächsten Schwimmpoller gleich vor ihm an Steuerbord sind, die Seite, an der er sowieso an uns vorbeifährt, wird mit Daumen hoch quittiert. So sparen wir uns seine Überholerei, die zwangsläufig nach der Schleuse kommen wird.
Die SENANG schon wieder am Funk:
"Wo sollen wir anlegen?"
Schleuse: "Wer funkt?"
"SENAG"
Schleuse: "Sucht euch einfach einen Schwimmpoller aus, in der Schleuse ist ja kein Berufsschiff drin."
Festmachen will die SENANG an 2 Schwimmpollern - aber dafür reichen auch 16 Meter nicht aus. Trotzdem gehen sie auf 2 Poller. Achtern den Schwimmenden und vorn einen Stinknormalen, total Verschlammten. Da sind die Leinen nachher so richtig modderig. Das bleibt unseren neuen Leinen erspart. Wer denkt, die Leinen ratschen an der Wand entlang - nee, die rutschen 1A entlang, denn die Wand vom Schwimmpoller ist wie glatt poliert.
Beide Schiffe liegen endlich ...
Rauf gehts - noch gechillter als in Hohenwarthe. Nach 9 Metern sind wir oben ...

Draußen horchen wir noch - kein Funkspruch mehr von der SENANG. Scheints sind noch alle Fender dran! Ab jetzt haben wir noch weitere 3 Stunden MLK vor uns bis zum Ziel.
Da fängt Cheffe direkt an zu headbangen und schüttlet direkt seine 2,5 Millimeter lange Mähne zu
Immer mal wieder übernehme ich kurz das Ruder, heute gehts richtig gut mir Geradeausfahren. Kombüsendienste werden zwischendurch erledigt. Abwasch oder Brotzeit für Cheffe. Unten in der Kombüse merkt man, dass die Wellen der Entgegenkommer zwischen den Spundwänden reflektieren. Es schaukelt ein wenig. Aber solange die Wurst auf Cheffes Brot bleibt ist alles gut - und mir machts nix aus.
Wir passieren Braunschweig.
Aah, Braunschweig, dann ist es gar nicht mehr soweit bis zum Ziel. Gar nicht mehr so weit heißt am MLK ca. 1 Stunde.
Im AIS sieht Cheffe, die SENANG biegt nicht Richtung Heidanger ab. DAS nenn ich mal Senang für uns!
Wir biegen links ab in den Stichkanal Salzgitter - die Marina Heidanger wartet auf UNS. 3 Kilometer bis zur Einfahrt - und die sieht man wie immer erst, wenn man schon direkt dran ist. Jedesmal wieder denken wir uns: DA sollen wir durchpassen??
7 Meter Durchfahrtsbreite steht auf dem Schild - gefühlt sind das 4 - MAXIMAL!
Bei der Durchfahrt klärt sich die Breite gleich und es wird realistischer. 7 Meter ist schon richtig, also üppigst Platz.
Drinnen im Hafen muss noch um die Ecke manövriert werden und dann? Wo ist unser reservierter Liegeplatz? Nur ein kurzes Stück ist am Steg noch frei. Reichts? Reichts nicht? Cheffe fährt am Vordermann vorbei - mal gugggen, ob der noch rutschen könnt. Könnte er, gut 2 Meter noch. Aber er hätt natürlich das ganze Leinengedöns und das Stromkabel. Aber unser Vordermann ist willig und sehr hilfsbereit. Ja nicht nur hilfsbereit, auch hilfreich. Das hat man nicht immer bei Helfern am Steg. Er hilft beim Anlegen, ruft seine Frau zum Abstands-Check nach draußen, fragt wo welche Leine hingelegt werden soll - also wirklich prima! Und so passt es schlussendlich und wir liegen am Steg in der Marina Heidanger. Pünktlich dazu fängts an zu regnen. Das soll auch so bleiben bis morgen früh - macht nix, es ist trotzdem sommerlich warm bei 24 Grad und Null Wind.
Nachmittags halb 3 - Coffeetime in Heidanger und große Vorfreude auf das Abendessen im Restaurant. Mit dem Sitzplatz unter Palmen wirds heute wohl nix - vielleicht morgen!? Wir haben morgen hier einen Ruhetag eingeplant.
Cheffe geht noch raus mit Jack. Trotz Regen will er noch Schritte sammeln ... das bisschen Regen ist doch kein Problem für'n Mann ... ich bleib heute mal daheim und schreib den Blog weiter.
Fazit des Tages:
- Die SENANG nicht mehr im Genick,
- DAS ist momentanes Glück!
- Und unser ganz persönliches Glück,
... ists Restaurant mit Palmen ...
- und die Speiskarte fest im Blick!!
















































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