Die Seenotretter

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Mittwoch, 30. September 2026

172. Perfektes Timing

Guten Morgen aus Burg - könnte grade nicht schöner sein. Wenn man schon früh aufstehn muss, ist DAS die Belohnung!




Ein Frachter kommt schon aus Richtung Hohenwarthe - genau DA wollen wir hin, schleusen und weiter.

Der Schubverband, der heute an unserer Liegestelle übernachtet hat, legt Viertel vor 7 ab. Wir starten um 7. Wenn alles klappt, ist das unser Schleusentaxi - in ca. 45 Minuten.

Los gehts. Den Tatort an der IDYLLE lassen wir hinter uns, und moven jetzt selber weiter mit "COMFORT".


Cheffe gibt bisschen Gas, um dem Schuber hinterher zu kommen - der meldet sich schon an der Schleuse an. Allerdings sieht Cheffe auf dem AIS, der hat schon noch ein Stückerl bis Schleuseneinfahrt - die Südkammer ist schon vorbereitet. Also nochmal bisschen Gas geben, Schleuse anfunken und zügig ranfahren, während ich bei gutem Tempo der Silencio Fender und Leinen vorbereite.



Blick zum Niegripper Verbindungskanal - soviel Zeit muss sein.


Heute wird aus der Schleuse Hohenwarthe mal nicht Langewarthe - heute heißt sie Garnixwarthe! Perfektes Timing!! Wir kiregen von der Schleuse das OK zur Einfahrt hinter dem Schuber. "Bitte Festmachen am 2. Schwimmpoller an Steuerbord, wenn das geht. UND bitte nach der Schleuse hinter dem Frachter mit über die Trogbrücke fahren." Gut, alles klar, weisste Bescheid!

Zweiter Schwimmpoller, die Nummer 7, macht Bekanntschaft mit unseren neuen Leinen.



Los gehts - wird ne Weile dauern, bis 19 Meter Fallhöhe überwunden sind. Während der Schleusung fällt mir ein, ich könnt eigentlich noch Fotos machen. Cheffe holt mal eben mein Handy, dank der Schwimmpoller geht das. Die halbe Höhe haben wir schon geschafft, da ist die Schleuse nicht mehr ganz so eindrucksvoll auf den Bildern.


Wie gesagt, nur die Hälfte!




Schleusenausfahrt.


Jetzt also hinter dem Schuber her über die Elbe-Trogbrücke bei Magdeburg - Einbahnverkehr nur nach Genehmigung.


Durchfahrt Trogbrücke mit Mond



Jetzt ist erstmal Zeit für mein Frühstück. Ich rühr grade meinen Früchtequark an, da stoppt Cheffe auf. Aus der Schleuse Rothensee fährt ein holländischer Frachter aus, quer vor uns rüber, biegt ein und setzt sich zwischen uns und unser Schleusentaxi. Der Holländer ist ein Leerfahrer, fährt also schnell und somit ist klar, der überholt wahrscheinlich gleich unser Taxi und wir können wieder gemütlich hinterherschlampern. Und so isses auch.

Einen Blick werf ich noch Richtung Elbe, leider seh ich nix. Nur den Kirchturm von Hohenwarthe 


UND den Kilimandscharo.


Der liegt nicht etwa in Tansania, nein, er liegt nördlich von Magdeburg bei Zielitz. Es ist die Abraumhalde des Kaliwerks Zielitz, die man ewig weit sehen kann.

Bis zu unserem Tagesziel liegen jetzt viele Kilometer und einige Stunden Kanalfahrt vor uns. Ich glaub ich hol mal meinen Krimi raus. Obwohl?? Erst noch Fotografieren. Strommasten mal anders.


Schiffsbegegnung unter Brücke.


Brückendurchfahrt - bestes Wetter wieder!


Bestes Wetter? Für uns ist wieder Heuschnupfenwetter. Ich schnupf schon seit vorgestern rum, Augen jucken, heute isses bei mir besser - aber nu jucken Cheffes Augen. Er braucht mal Tropfen. Cheffe tropft, ich übernehme das Ruder ... und ... fahre Schlangenlinien durch die ganze Bahn. Mann Mann Mann, lange nicht gefahren ... DAS ist vielleicht ein Geeiere. Nur gut, dass Weit und Breit keiner ist, der DAS sehen kann. Und anstrengend find ichs außerdem - ich übergebe das Ruder wieder an Cheffe ... sehr sehr gerne! Ich kümmer mich lieber um die Graffity am Ufer.







Der Frachterbetrieb auf dem Wasser nimmt stetig zu und zwar richtig. Laufend kommen uns Frachter entgegen.


Oft kommen gleich 2 hintereinander und es kommt was kommen muss. Überholmanöver im Gegenverkehr - die beiden Tschechen sprechen sich über Funk ab, nur leider auf Tschechisch, aber Cheffe ahnt schon, dass es ums Überholen geht. Wenn zwei Dicke nebeneinander auf uns zukommen, ist das nicht soo ein gutes Gefühl. 



Die NAVIGAR 2 wird hier überholt.


Gleich hören wir NAVIGAR 2 am Funk. Die wendet an der Wendeplatte und fährt wieder zu Tal. Oh Mann, jetzt kommt die hinter uns her und wird uns wahrscheinlich irgendwann überholen. Aber da kommt jetzt Käptn Kalles Liegestellenverzeichnis zum Einsatz und Cheffe rechnet. Wie schnell kommt NAVIGAR näher, wann kommt die nächste Liegestelle ... könnte gut passen an Kilometer 284 anzulegen, um die NAVIGAR vorbei zu lassen. Würde eh passen, um Jack mal zu lüften. So machen wirs! Zwischendurch muss ich Cheffe mal ablösen am Ruder - auch er muss mal für kleine Königstiger. Als er zurück kommt meint er: "Das Popometer sagt mir, es hat gut geklappt." Popometer? Schon klar, er merkt nämlich sogar auf dem WC, wenn ich Schlangenlinien fahre. Und gleich kommt die Story, als er mir zum allerersten Mal das Ruder bei einem Charterschiff übergeben hatte. Einfach so, ohne Vorbereitung und das auf der Ostsee. Da hätts ihn beinahe vom Clo gebeamt. Dazu kann ich nur sagen: Ist einmal Gras über ne Sache gewachsen, kommt bestimmt ein Kamel und frissts wieder ab!!

Wir erreichen jedenfalls Kilometer 284. Anlegen, Jack raus, NAViGAR rückt näher ... und was sehen meine Äugelein? Die NAVIGAR macht bereit zum ANLEEGEN!! Da kriegste doch die Motten! Na, immerhin ist der Jack ausreichend gelüftet. Wir legen wieder ab und im Vorbeifahren sehen wir, die NAVIGAR hat hier Crew-Wechsel. Na da werden se wohl bisschen Zeit brauchen und uns nicht gleich wieder auf die Pelle rücken. Müsste also für die letzten 16 Kilometer, heißt 1,5 Stunden, Ruhe sein ... jedenfalls von hinten. Gegenverkehr hats schon, das geht hier zu wie am Stachus. Halb 3 liegen wir fest an unserem Tagesziel - MLK Kilometer  269 am ...


Wir sind allein an der Liegestelle. 



Nach dem langen Fahrtag machen wir zuallererst den Laden dicht. Ganz dringend müssen wir uns die Beine vertreten.


An unserem Weg, Apfelbäume soweit das Auge reicht. An der Ernte scheint niemand Interesse zu haben. Verwunderlich, es sind schöne alte Sorten dabei. Z.B. Duchess of Oldenburg oder Ashmead's Kernel 
(englische Boskopsorte)



Wir schon, aber leider haben wir keine Tasche mitgenommen. Wir stecken in die Hosentaschen was geht, passt allerdings nicht sehr viel rein. Da müssen jetzt die frischen Hundetüten herhalten. Daheim kriegen die "Klauäpfelchen" einen Platz neben den gesammelten Walnüssen aus Burgwall.


Nach der Laufrunde brauchen wir dringend eine Dusche - unser Weg hatte kaum Schatten, da mussten wir ordentlich schwitzen. Langsam kehrt am Drömling Abendstimmung ein, nach und nach wird der Traffic weniger und die ersten Frachter kommen an die Liegestelle für die Nacht.



Schaun wir mal, ob da ein Taxi dabei ist, um uns durch die Schleuse Sülfeld mitzunehmen. Die Etappe morgen wird ähnlich lange wie heute - 60 Kilometer und eine Schleuse.


Fazit des Tages:

- Schwimmpoller sind ne feine Sache,

- ich überleg, was während Schleusung ich so mache?

- Haare stylen, oder Gymnastik mit Gewicht?

- Oder gar eine refeshing Maske ins Gesicht?

- Zeit dazu wäre genug,

- denn 19 Meter hat die Garnixwarthe Hub.


 

Dienstag, 29. September 2026

171. Senang, Comfort und Idylle

Weckzeit 6 Uhr! In Brandenburg rührt sich noch nix. Nur on Silencio ist schon Betrieb, denn Florian muss heute zum Zug Richtung Bayern.

Während wir bei unserem letzten gemeinsamen Frühstück sitzen, wacht Brandenburg langsam auf.



Um halb 8 ist es soweit, Florian geht von Bord. Dass wir jetzt weiter Bootfahren können, darum beneidet er uns sehr. Bye bye Florian, schön was!!



Wir legen gleich ab und schon sehen wir Florian wieder. Er steht auf der Brücke, bereit für letzte Bilder von der Silencio.





Unter der Brücke durch - letzter Blick auf die Silencio.




Wir schlendern gemütlich durch Brandenburg und weiter über die Niederhavel.





Garagen bis zum Horizont!













Und während wir so gemütlich durch die Natur schlampern, hat Florian schon richtig Stress. Womit? Ja wer hätt's gedacht - mit der Bahn natürlich! Zug fällt aus!! Schienenersatzverkehr! WO fährt der ab? WO muss Florian hin? Immer das gleiche Theater mit der Bahn. Nach einigem Hin und Her sitzt Florian im richtigen Bus nach Rathenow und dann im Zug weiter nach Berlin. Anschluss sollte somit passen!

Wir legen kurz nach 9 Uhr im Wartebereich der Schleuse Wusterwitz an. Der Schleusenwärter wird uns über Funk aufrufen, dauert aber, sagt er. Berufsschifffahrt im Gegenverkehr. Nebenher können wir den Funkverkehr Berufsschiff / Schleuse mithören. Das Schiff bekommt ne Ansage, denn es fährt ohne AIS und ist somit im Blindflug unterwegs. Das könnte teuer werden, meint der Schleusenwärter. Und so ganz nebenbei fällt Cheffe auf, dass man hier im Wartebereich auch mal gut mit dem Hund raus könnte. Mit dem Hund raus??? War eigentlich heut früh jemand mit Jack draußen? Nee, haben wir glatt vergessen. Armer Jack - liegt brav unterm Tisch und sagt nix! Gut, dass wir hier bisschen Zeit haben und Landzugang und zwar so, dass Jack richtig gut sausen kann. Sein Frühstück kriegt er gleich nach dem Sausi ... und schon liegt er wieder unterm Tisch! Nach ner guten halben Stunde kriegen wir grünes Licht für die Schleuseneinfahrt - noch ein weiteres Sportboot kommt hinter uns her, 16 Meter lang. Wir legen an Backbord in der Schleuse an und so weit vorne, dass der andere Sporti noch viel Platz hinter uns hat. Bei der Breite der Schleuse könnte er auch neben uns liegen. Aaaber ... das will der Sporti alles nicht, er fährt in der Schleuse an uns vorbei und legt vor uns an ... gaaanz schlechte Seemannschaft! Während der Schleusung - und die ist Wellness pur - da könnste nebenher die Fingernägel lackieren - lässt das Sportboot den Motor laufen. Na, DAS soll er mal in der Schleuse Hohenwarthe machen ... DA holt er sich einen Anschiss vom Feinsten ab. Die mosern schon beim Bug - und Heckstrahlruder. Die Wellnessschleusung dauert 20 Minuten, Fallhöhe 4,75 Meter.

Der Sporti, die SENANG, orgelt mit Bugstrahlruder aus der Schleuse und dümpelt dann vor uns her. Cheffe versucht Funkkontakt herzustellen - nüscht, wahrscheinlich ist der noch aufm Schleusenkanal unterwegs. Egal jetzt, Cheffe überholt, SENANG gibt Gas, muss sich aber trotzdem hinten anstellen. Muss man alles nicht verstehen, oder!? Später setzt die SENANG zum überholen an und pretscht mit ordentlicher Bugwelle an uns vorbei.


Und düst davon. Schau mer mal, ob wir se an der Schleuse Zerben wieder treffen. Könnte man auch drauf verzichten. Bis dahin aber, ist hier sommerliches Kanalschrubben angesagt.


Vor Zerben funkt die SENANG die Schleuse an. Die freundliche Schleusenwärterin meint, sie könne die SENANG nicht verstehen und auch nicht das AIS Signal empfangen. Kein Wunder, denn die Funkantennen liegen auf der SENANG und zeigen dazu noch nach hinten. AHAA! Plötzlich sagt die Schleusenwärterin: "Ich seh euch jetzt! Ihr seid das13 Meter Sportboot kurz vor dem Pareyer Verbindungskanal!?" HAHA! Nee, DAS sind wir. Bestimmt ist der SENAG Captain jetzt bisschen beleidigt, er hat ja schließlich 3 Meter mehr vorzuweisen. Er soll sich melden, wenn er näher kommt. Ok! Die Schleusenwärterin wartet auf SENANG, obwohl ein Berufsschiff schon in der Schleuse liegt. SENANG meldet sich nicht, aber die Schleusenwärterin: "Der meldet sich nicht, ich schleus dich jetzt alleine," sagt se zum Berufsschiff. Hui, da ist der SENANG Captain gleich wach und soll auf Anweisung Gas geben, dann kann er noch mit. In der Schleuse dann Funke: SENANG an Schleuse - wo sollen wir festmachen??? Mit leicht angenervtem Unterton kommt von der Schleuse: "Wo Sie möchten!" Was sind wir froh, dass es nicht für uns langt zum mitschleusen. Das ist ja zum Fremdschämen. Wir kommen später an, legen an der Wartestelle an und warten gerne.

SENANG an Schleuse: "Wir haben einen Fender verloren!" Schleuse: "Kann passieren, gute Weiterreise!"

Cheffe meldet sich jetzt ordnungsgemäß an - die Schleuse kommt leer zu Tal und wir kriegen nochmal eine perfekte Wellnessfahrt, 5,50 Meter zu Berg. Vielen Dank!

Nach Zerben wirds ein Stünderl dauern bis zum Tagesziel - Tatort Überführungstörn - Burg bei Magdeburg. Bis dahin sitz ich draußen in der Sonne mit Krimi und Kaffee.



Cheffe navigiert bis zum Ziel mit silencioeigenem Co. Captain. Aber ob DER so hilfreich ist??


Unser Tagesziel kommt in Sicht. Der Sportbootanleger an der Spundwand in Burg. Zwei Boote liegen schon da, natürlich mit optimalster Platzeinteilung. Und wieder mal sind es so ne Schrottkähne, die einfach irgendwo kostenfrei dauerhaft hingelegt werden. Cheffe quetscht die Silencio gekonnt in die Lücke zwischen den beiden Schiffen, und so liegen wir ab 15 Uhr an der Spundwand in Burg zwischen der IDYLLE und der MOVING COMFORT. Ich schmeiß mich gleich weg bei diesen Namen.





Für den restlichen Nachmittag suchen wir uns ein schattiges Plätzchen in der Plicht - denn es ist Sommer bei 28 Grad! Abends 18 Uhr sitzen wir in kurzer Hose und T-Shirt draußen im Schatten und schlürfen den letzten Cider der Saison mit Genuss!




Fazit des Tages:

- Wir liegen hier zum Nachtquartier,

- between Idylle und Comfort am Pier.

- Doch was macht hier Comfort und Idyll?

... Rumliegen ...

- Bis se kommen in den Müll!

Dauert bestimmt nimmer lang!


191. Weihnachtszeit

Ich habe geschlafen wie ein Murmeltier. Beim Aufwachen schaukelt die Silencio sanft hin und her. Der reine Ostwind drückt in den Hafen. Aber...