Die Seenotretter

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Montag, 19. Oktober 2026

191. Weihnachtszeit

Ich habe geschlafen wie ein Murmeltier. Beim Aufwachen schaukelt die Silencio sanft hin und her. Der reine Ostwind drückt in den Hafen. Aber wem macht so ein bisschen Geschaukel schon was aus.

Ich mach mich fertig, um mit Jack rauszugehen. Schuhe an, Jacke an, Mütze auf, Handy vergessen. Nochmal rein und Handy suchen.

Jack wartet derweil draußen und singt ein Lied!

Who let the dog out??


Nach der Runde gibts Futter für alle. Beim Frühstück kommt nochmal das gestrige Event auf den Tisch.
Obwohl knackige Bedingungen, wars doch die richtige Entscheidung. Wären wir nicht gefahren, würden wir bis mindestens nächste Woche Donnerstag noch in Urk rumhängen. Wir hätten alles nochmal neu planen müssen mit Zugfahrt und Auto in Mc Pomm abholen. Über unseren angedachten Rückweg im Frühjahr über die Deutsche Bucht müssen wir auch nochmal nachdenken. Cheffe ist mittlerweile wieder beweglich. Er hatte sich gestern zweieinhalb Stunden am Steuerstand so richtig eingespreizt und konnte danach kaum laufen. Den Tip mit der Blackroll haben wir gleich verworfen - alles was mit Rollen zu tun hat, kommt grad nicht in Frage! Ich hab mittlerweile mein Lächeln wieder gefunden. Gestern meinte Cheffe bei den ärgsten Wellen, ich solle lächeln - oder wenn wir in Enkhuizen sind, dann lachen wir da drüber. Letzteres war wirklich der Fall, aber Lächeln während die Silencio sich weit zur Seite neigt??? Da dacht ich mir, Cheffe hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Apropos Tassen - DIE sind tatsächlich im Schrank geblieben. Auch alles andere an Geschirr, Scherben gabs auch keine - nur einige Dinge muss man tatsächlich länger suchen. Es herrscht ein wenig Durcheinander in den Schränken.

Am späten Vormittag mach ich los zu einem kurzen Stadtbummel. Cheffe bleibt an Bord, er will bisschen aufräumen.






















Viele Geschäfte haben heute, am Montag, geschlossen. Aber die ganz wichtigen sind geöffnet - nämlich die mit Weihnachtsschmuck. Is ja bald soweit! Und da ist tatsächlich ordentlich was los.


Ich komm wieder am Hafen an - woran man DAS wohl erkennt? Nicht nur an diesem Wald aus Seglermasten ... man erkennts schon aus der Ferne und zwar akustisch. Der Wind heult mächtig durch die Masten.



Gleich nebendran liegt übrigens das Zuiderzeemuseum.


Mittags gibts holländische Trüffelravioli und danach einen ausgiebigen Mittagschlaf für mich. Die Silencio schaukelt mich ziemlich zügig in den Schlaf.

Schönen Abend allen!




Fazit des Tages:

- Ich lauf durch Enkhuizen am Ijsselmeer,

- ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr.

- Allüberall hier findet man schon,

- jede Menge Weihnachtsdekoration.

- Und schon lugt natürlich mit Weihnachtsdekor,

- um die Ecke das heilige Christkind hervor.




Sonntag, 18. Oktober 2026

190. Tanz mit Zweimeterwellen

In Urk hab ich mit Jack am Morgen Gassispaß!


Das ist schon mal gut - danach frühstücken wir gemütlich. Cheffe will gegen 11 Uhr los - bis dahin trödeln wir noch so rum. Bevors losgeht übers Ijsselmeer, darf Jack nochmal raus - findet er natürlich super.

"Wie?? Es geht übers Ijsselmeer?? Es hat 6 BFT?? Dazu noch von der Seite!! Gehts noch??"

Tja Jack, heute müssen wir! Danach wird es richtig stürmisch! Heute oder nicht! Mein Credo: Ist bestimmt wie auf der Müritz!? Was zu beweisen wäre - quod erat demonstrandum ... damit bin ich in der Schule schon Baden gegangen. Und Tatsache - das Ijsselmeer ist eine ganz andere Nummer!

In der Silencio wird seefest gemacht. Heißt Tisch festzurren, alles was fliegen könnte wird verstaut. Aber ... wir machen eben nicht so ganz seefest. Irgendwas vergisst man immer!

11.15 Uhr Leinen los!

Gleich nach der Hafenausfahrt merkt man schon - Bewegung kommt ins Schiff. Und DIE nimmt stetig zu - und zwar von der Seite. Unsere Überfahrt wird ca. 2,5 Stunden dauern. Nach ner halben Stunde wirds richtig knackig. Ca. 2 Meter Welle von der Seite. Die Silencio rollt über alle Dimensionen, legt sich auch mächtig zur Seite.

Auf der Müritz hatten wir das mal, da dachte ich, Cheffe schmeisst das Schiff um - aber ganz ehrlich ... DAS auffe Müritz war gegen heute Pillepalle!

Cheffe spreizt sich am Steuerstand ein und demonstriert Entspannung.

ICH bin alles andere als entspannt und bin hart an der Schnappatmung. Schlecht wird mir nicht, aber Schiss hab ich schon. Selfie erspar ich euch ... und mir.

Der Jack hingegen geniesst sein Wellnessprogramm. Egal wie die Kiste in der Gegend rumrollt, Jack bleibt gelassen - ach was sag ich ... Jack lässt sich in den Tiefschlaf schaukeln.


Als es ganz schlimm wird, hechelt er ein bisschen, aber vielleicht eher, weil er meinen Stress spürt.

Dazu fängts in den Schränken mächtig an zu klirren. Die Gläser singen vor sich hin, als würde jemand mit den Fingern übern oberen Rand kreisen. Die Brecher knallen nur so an die Bordwand - und dann - die Silencio legt sich auf die rechte Seite, dann linke Seite ... und schon fliegt alles unten durch die Gegend. Schreibtisch seefest machen - DAS war irgendwie überhaupt kein Vorgang!

ICH müsste eigentlich dringend mal aufs Klo. Das scheitert ...

1. Nach unten gehen ist gar keine gute Idee - unten wird einem total schnell schlecht bei diesem Seegang.

2. Der Zugang zum Klo ist jetzt eh komplett verschüttet. Alles liegt durcheinander davor. Bücher, Spiele, Headsets, Brot, Seekarten, Medikamente, Tassen ... aus der Küche kommt noch ne Melone dazu, die krachend runter poltert.



Aber, die gute Nachricht ist .... so aufgeräumt war unser Schreibtisch noch nie!!

Ne halbe Stunde vor dem Ziel - Kursänderung. Die Welle kommt jetzt von hinten. Fühlt sich ruhiger an, aber, wenn die Welle unter dem Schiff durchgeht, meint man, man schwebt im luftleeren Raum. Komisches Gefühl - aber Hauptsache nicht diese Scheißwelle von der Seite.

Was jetzt noch dazu kommt, das sind die Segler. Die düsen hier kreuz und quer rum, fahren uns direkt vor dem Bug rum, um dann wieder zu wenden, nochmal vorn Bug und so ne Geschichten. Nochmal Stress pur. Immerhin kann ich mich jetzt auch auf die Segler konzentrieren. Bei der seitlichen Welle, war ich echt zu nix mehr zu gebrauchen. Cheffe hingegen, war sehr souverän am Ruder und hat sein Bestes gegeben, um die Wellen ein wenig abzumildern. 


Unser Kurs

Im Compagnieshaven Enkhuizen dann, schlagartig ruhige Verhältnisse. Unser Liegeplatz ist klar, vorreserviert und per Mail heute bestätigt. Platz G Kop N ist unser. Einmal wenden noch, anlegen ... und ... unser Abenteuer ist VORBEI! Jetzt 11 Tage hier liegen und alles einfach gemütlich ausklingen lassen. 

Friesland geniessen fällt ja leider aus, der Wind wird jeden Tag noch ein Stück mehr zulegen. Da sind wir hier gut aufgeräumt.


Vor Anker möcht ich hier allerdings nicht liegen - da wirds auch spannend!


Wir schnaufen erstmal durch. Cheffe geht ins Hafenbüro, aber da ist alles schon erledigt. Ich hau Steaks in die Pfanne, Buddel Rotwein dazu, DAS muss jetzt einfach sein! Danach Füsse hoch, Blog schreiben zu therapeutischen Zwecken und dann einfach geniessen, dass wirs geschafft haben! Abends noch ne schöne Runde mit Jack - dann ... haben fertig!!



Fazit des Tages:

- Wir rollen übers Ijsselmeer,

- der Schreibtisch, der ist danach leer.

- Der Tip schlechthin für alle Piraten,

... das einzig seefeste an Bord ...

- DAS sind die Tomaten!


- Dagegen ist ganz schlecht Melone,

... die fliegt durchs Schiff ...

- wie abgeschossen - von einer Kanone!




Samstag, 17. Oktober 2026

189. Wo gehts denn hier zum Ijsselmeer?

Wir verabschieden uns heute von Blokzijl. Im Gepäck Bier und Salami aus der Klinkert Brauerei. Gibts aber natürlich nicht jetzt zum Frühstück. Jetzt gibbet Müsli - und dann los.




Es geht raus durch die enge Durchfahrt - dann wird das Fahrwasser breit. 


Geleitschutz am Ufer.


Wohnboote liegen am Ufer - so richtig zum Wohnen ... so mit Balkon, Mülltonne, Briefkasten und Parkplatz vorm "Haus".



Auf unserer Route gibts wieder einige Brücken zu öffnen. 8 an der Zahl ...



... und nicht alle öffnen gleich nach der Anmeldung. Dazu hats teilweise ordentlich Wind. Nach ner Viertelstunde dümpeln bei scheiß Seitenwind, wirds uns zu bunt und wir legen am Wartesteg an. Da warten wir dann nochmal so lange, bis sich die Brücke endlich für uns öffnet. Weiter gehts, allerdings heute bisschen zäh. 3 Schleusen gibts auch zu bewältigen. Unsere letzte Schleuse des Tages UND der Tour ist die Urkersluis. Auch hier werden wir um Geduld gebeten. Bald gehts hinein in die Schleuse. Die Urkersluis ist heute die einzige, die uns nach oben befördert und zwar ordentlich. Ca. 6 Meter. Und DAAA kommt auch das Problem - wir liegen in der Schleuse nämlich weit hinten. Auf dem Weg nach oben fällt Cheffe auf, dass über uns die Brücke kommt. DAS hatten wir nicht bedacht ... es wird ein wenig stressig. Cheffe lässt den Motor an und muss während des Schleusenvorgangs nach vorn fahren, ich muss derweil meine Leine vorne und Cheffes Leine hinten managen. Maaaannn, ohne diesen Zirkus wär diese Schleuse total easy, aber nee, irgendwas ist ja immer! Auf jeden Fall haben wir Puls!

Wir kommen aus der Schleuse und stellen gleich den Mast.


Gleich um die Ecke ist unser Anleger. Und da ist gar nicht so viel Platz, wie wirs kennen. Ein großer Teil der Kadde ist abgesperrt, EIN Platz ist hier noch frei für uns. Perfekt! Sonst müssten wir uns weiter hinten ins Gewühle schmeissen.


Wir liegen direkt vor der Absperrung.


Gleich nach dem Anlegen darf Jack den Strand inspizieren.



Und dann stept hier der Bär. Auf einen Schlag stürmen ich weiß nicht wieviele Segler in den Hafen. Alle legen kurz an, rennen ins Büro, rennen mit nem Zettel wieder raus, legen wieder ab und tschüß. Muss wohl eine Art Regatta sein. Das Theater geht über Stunden so weiter. Völlig irre!


Am Spätnachmittag schnapp ich mir den Jack für ein weiteres Sausi. Wir laufen bei Sonne-Regen-Wolkenbruchwetter am Strand und ein bisschen durch Urk.










Urker Gardinen handgeklöppelt.














Für ein paar Abendstimmungsbilder schlupf ich nur schnell in Cheffes Crocs, kurz übern Steg, schon bin ich wieder am Strand.








Fazit des Tages:

- WO is denn hier das Ijsselmeer?


- Ich hab das doch schon im Gehör!?!?

- Tja, Jack, du sitzt verkehrt herum,

... du kannst es sehn das Ijsselmeer ... 

- dreh dich halt einfach um mit Schwung!!


Gute Nacht!





191. Weihnachtszeit

Ich habe geschlafen wie ein Murmeltier. Beim Aufwachen schaukelt die Silencio sanft hin und her. Der reine Ostwind drückt in den Hafen. Aber...