Die Seenotretter

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Samstag, 3. Oktober 2026

175. Anderten vor der Flinte

Viertel nach 7 solls heute losgehn - DAS wird allerdings nix. Heute im Angebot ... Nebel. 

Kannste machen nix! Musste eben erst frühstücken. Ist ja auch nicht verkehrt. Cheffe geht mit Jack erst nach dem Frühstück raus zum Kanal. Von da kann er die Nebellage im Stichkanal besser einschätzen.

Zurück kommt er mit der Info: "Ok - und los!" Also Leinen los - es is 8.15 Uhr - und wieder durch die Einfahrt raus in den Stichkanal. Ich steh im Bug - oder besser im Ausgugg ... schauen ob beide Seiten frei sind. Und DAS sind sie natürlich NICHT! 

Von Backbord kommt RALF DEYMANN 1 - ja Sch ... önen Feiertag auch!

Lassen wir ihn vorbei, oder fahren wir raus? Schnelle Entscheidung ... Cheffe fährt raus. In der engen Durchfahrt warten, wenn der Dicke vorbeifährt ist keine Option. 

Cheffe gibt Gas, damit wir bisschen Abstand kriegen.

Cheffe funkt RALF an um zu fragen, in welche Richtung er nach dem Stichkanal abbiegt. RALF will nach Braunschweig. Prima, dann haben wir den nicht im Genick, denn wir wollen nach da.

Bevor wir einbiegen in den MLK, passiert noch ein Frachter, VORWÄRTS heißt er und fährt auch Richtung Braunschweig.

Den lassen wir besser vorbei, und huschen dann zügig rein in den MLK, denn kurz drauf kommt uns FRANK DEYMANN entgegen.

Danach - freie Bahn in alle Richtungen. Die Sicht nach vorn relativ gut, nach hinten ziemlich stimmungsvoll.









Auch die Wetter App sagt jetzt Nebel - aha, die ham also auch schon aus dem Fenster geguggt. Immer das Gleiche: Für die gute Sicht bleibt nach vorn unser mittleres Fenster offen. Tja, da wirds im Schiff schon bisschen frisch - 15 Grad - Cheffe braucht Handschuhe.


Für mich gibts zum Aufwärmen Tee aus den letzten Bröseln meines Lieblingskräutertees. Gut dass heute in Hannover der Nachschub rollt.


Was kann man sonst noch tun, damit Einem warm wird? Man könnte z.B. im Salon durchwischen.


Doch dafür gibts ja Personal.

Am Ufer steht die Feuerwehr parat - Cheffe begeistert die Jugend mit einem lauten Hornsignal.


Zur besten Mittagszeit erreichen wir die Schleuse Anderten und legen im Wartebereich an. Wenig los hier, da ist Warten angesagt. Schön friedlich steht die Hindenburgschleuse vor uns, als könnte sie kein Wässerchen trüben ... und dabei hats hier eine unglaublich trübe Suppe.


Gerade fahren 2 Frachter aus und da findet auch gleich ein Überholmanöver statt. Es pretscht mit 16 kmh MARCEL DEYMANN an uns vorbei und bringt die Silencio mächtig in Wallung. Von Marcels Welle haben wir noch länger was - die läuft zwischen den Spundwänden nach 30 Minuten immer noch nach. Bis unser Schleusentaxi kommt, beruhigt sich die Welle - hinter der SILJA dürfen wir einfahren.
Anderten Update meinerseits: 
- Ich bin aufgeregt - ja ich weiß, ich soll mich nicht so anstellen, schließlich geht es NUR zu Tal.
- Genau deswegen liegt mein Puls NUR bei 104 - zu Berg wurden zuletzt mal 138 gemessen.
- Gegessen habe ich bis jetzt noch gar nix - nüscht geht rein bei mir.
- Dafür steigt die Frequenz Richtung WC mächtig an. Frei nach dem Motte: Alles muss raus!

Ja und dann gehts los - Einfahrt 12.50 Uhr. Konzentration am Anschlag. Auch zu Tal geht das Ding ab wie Schmitts Katze.


Ab gehts nach unten, und da simmer schon angekommen. Nach 9 mal Leinen umhängen sind die 15 Meter Fallhöhe abgevespert. Puls sinkt auf 88. Wir fahren aus ...



... und sind, wie immer nach Anderten, völlig verdreckt von den schlammigen Schleusenwänden. Und unsere neuen Leinen ... die sehen farblich schon auch etwas verändert aus. Die Fender dito. Das bleibt hier einfach nicht aus.


Hinter uns lassen wir die Schleuse Anderten ... durch diese Tore verschlingt das Monster bei der Bergfahrt alles mit Haut und Haar.


Bis zum Liegeplatz bei der Marinekameradschaft dauerts aber noch. Wie ausgemacht ruft Cheffe dort beim Hafenmeister an. Alles bestens, unser Platz ist frei, wir können kommen.

Hinter einem Frachter im Gegenverkehr tauchen Sportboote auf. Ein paar, denken wir, es sind 10 oder 11. Alle geschmückt, entweder mit Luftballons oder über die Toppen geflaggt. Sogar ein "Kuhnledampfer" ist mittendrin. Bestimmt ein Vereinsausflug!


Halb 3 legen wir an - der Hafenmeister steht schon am Steg zum Helfen. Dann darf erstmal Jack raus, danach Strom legen, Frischwasser bunkern, Müll entsorgen, und uns soweit aufbrezeln, dass wir wieder vorzeigbar sind, wenn nachher meine Schwester mit ihrem Mann kommt.

Da schlürfen wir dann einen Sekt und gehen anschließend gemeinsam essen ins Restaurant 12 Apostel. Tolle Location im ehemaligen Werksgelände der Pelikan Werke. Und gegessen haben wir sehr lecker noch obendrein. Aber das Beste ist - wir haben uns endlich wieder mal gesehen!!




Fazit des Tages:

- Ist Anderten erstmal vorbei,

- kann losgehen die Völlerei.

- In den Magen passt jetzt rein,

- Wurstbrot, Schoklade, oder gar ein Schnäpselein ... gibbet aber kein!



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