Die Seenotretter

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Dienstag, 6. Oktober 2026

178. Heut stept der Bär

Pläne ändern sich, das geht auf dem Wasser ganz schnell. 

Erstens : Von Ibbenbüren bei Püsselbüren bis Haren an der Ems mit 9 Schleusen, ist doch zuu sportlich, vor Allem wenn wir nicht früh los können. Denn ..

Zweitens: Es nebelt bisschen zu. Wir können erst 8.30 Uhr starten. 

Dann wird es wohl doch eine eher gemütliche Fahrt heute bis Lingen werden, morgen bis Haren und dort abwettern. Is halt dann so. Mit Glück könnten wir Montag weiter, mal schauen, ob die Gezeiten uns dann wohlgesinnt sind. Besser als morgen wirds bestimmt nicht.

Die erste Schleuse des Dortmund-Ems-Kanals, Bevergern, kommt nach wenigen Kilometern und weitere folgen in kurzen Abständen. Es lohnt nicht mal die Fender reinzuholen oder die Rettungsweste auszuziehen.

Vor uns her fährt die JUNTOS aus den Niederlanden und legt an, weil sie warten muss. Genau wie wir, doch wir fahren den Sportbootanleger an. Eigentlich! Aber no way, denn es ist viel zu flach. Cheffe rangiert rückwärts wieder weg, von hinten kommt der nächste Frachter. Cheffe fragt bei der Schleuse, wo wir uns hin verdrücken können. Entweder dümpeln, auch wenn dann ein Bergfahrer entgegen kommt oder die JUNTOS fragen, ob wir längsseits gehen dürfen. Wir fragen die JUNTOS und dürfen anlegen, hatten wir noch NIE!

Also gemütlich is schon mal aus! Hier ist die Hölle los! Übern Rhein geht aufgrund des niedrigen Wasserstandes für die Berufsschifffahrt nix und über die Weser geht auch nix mehr. Alles kommt hier lang. 

Auf der JUNTOS ist eine holländische Familie unterwegs, Vater, Mutter, und 3 Kinder - geschätzt 5, 3 und knapp 1 Jahr. Die Kiddies machen Faxen am Fenster, von Sporti zu Frachter plauschen. Die Kapitänin - sagt man das so? - meint, dass es derzeit irre sei. Bei ihrer letzten Fahrt hatten sie vor der Schleuse Gleesen hier Schleusenrang 13. Das sind ich weiß nicht wieviele Stunden Wartezeit.

Während der Wartezeit ruft Cheffe in Lingen an wegen eines Liegeplatzes. Der Hafenmeister meint nur: "Is Platz, wenn ihr das heute bis hierhin schafft." Und üppig Wasser hats auch, 1 Meter 30, wirklich üppig für unseren Tiefgang von 1,25. 

Aber wir müssen ja erstmal bis dahin kommen, nä!?

Cheffe spricht sich mit der Juntos-Crew ab wegen des Ablegemanövers vor der Schleuseneinfahrt. Die Juntos legt quasi ein Stückerl mit uns gemeinsam ab, Cheffe fährt dann rückwärts weg ...

... und hinter der JUNTOS ein. Das klappt schon mal. Während wir schleusen, lachen Cheffe und ich gemeinsam über die ursprüngliche Idee, heute bis Haren zu fahren. Bei DEM Betrieb hier schon eine sehr verwegene Idee - obwohl, auch ohne diesen Betrieb wärs eine sehr sportlich Nummer.

Bis zur nächsten Schleuse Rodde sinds nur 3 Kilometer - Fender bleiben draußen, Rettungsweste bleibt an - und wir dürfen wieder mit der JUNTOS schleusen, sobald die Bergfahrer ausfahren. Bis dahin dümpeln. Die Bergfahrer werden bei der Ausfahrt von der Schleuse angewiesen, langsam zu fahren. Vor Bevergern ist der Wartebereich voll - "Sonst wirds hier gleich richtig kuschelich," meint er. Die Schleusenwärter brauchen hier wirklich gute Nerven!

Einfahrt mit JUNTOS wie in Bevergern schon erprobt - Bevergern hatte über 8 Meter Fallhöhe, die nächsten Schleusen haben immer nur eine Fallhöhe zwischen 3 und 4 Metern. Bloß blöd, dass hier grade die Nischenpoller ausverkauft sind. Cheffe hängt mit dem Schleusenhaken eh an der Leiter, da muss ich mit der Leine jetzt auch dran. Aber dazu nehm ich jetzt ne alte Leine, sonst ist die Neue wahrscheinlich ramponiert.

Gute Nerven braucht auch Cheffe. Hinter der JUNTOS ein - und auszufahren ist nicht einfach. Das Wasser gleicht einem Whirlpool und Cheffe muss kurbeln wie blöd um die Silencio einigermaßen grade zu halten.

Bis zur dritten Schleuse heute, Altenrheine, sinds wieder nur 5 Kilometer. Cheffe meldet uns an der Schleuse an.: "Wenn grün wird, dürft ihr mit Berufsschifffahrt rein ... dann bin ich euch los!" Okay, auch recht, Hauptsache weiter!!  Es wird grün und wir sind überrascht - die JUNTOS fährt nicht ein - kurze Rücksprache auf Kanal 10, ja er muß warten, Stau vor der nächsten Schleuse.  By the Way - auf der JUNTOS gibts einen Outdoorspielplatz mit Rutsche, gugg! Schaut aus wie ein Löwenkäfig, da sind die Kleinen sicher!

Wir dürfen ganz allein zu Tal. An der Schleuse Altenrheine dürfen die Frachter nur dosiert weiter zu Berg fahren. Einer liegt im Wartebereich, einer fährt aus, dann darf der Wartende erst weiter zur nächsten Schleuse. Auch geschwindigkeitsmäßig kriegen die ne Ansage an fast jeder Schleuse - langsames Dahintrullern ist angesagt, um einen Riesenstau zu vermeiden.

Während wir weiterfahren, der nächste Stress. Jetzt wärs grade so gut gewesen. Aber - die Lichtmaschine lädt nicht mehr richtig. Sch... Erstmal alle Verbaucher ausschalten, auch den Kühlschrank, vor Allem DEN.  DAS hätt ich jetzt überhaupt nicht gebraucht!! Wir brauchen heute unbedingt Landstrom!!! Bis dahin gibts nicht mal mehr Kaffee - aber der Appetit ist mir eh vergangen. Ich brauch grad nix!

Schleuse 4, Venhaus, warten hinter 2 Frachtern - und da schau her, die Frachtercrews guggen bisschen dumm, denn wir dürfen allein einfahren und die Frachter müssen draußen bleiben. Öfter mal was Neues! Das hatten wir noch NIE! Vom Schleusenwart wurden wir angewiesen, auf sein Kommando bei rot bis vor zu fahren, dann macht er uns grün, reinfahren und sofort wieder rot, nicht dass noch ein Berufsschiff meint, ablegen zu müssen und auch einzufahren.

An der letzten Schleuse für heute, Gleesen ist die Nummer 6, wirds nochmal spannend. Der Schleusenwärter meint, er könne uns zwar runterschleusen, aber im Unterwasser gehts dann erstmal nicht weiter. Es sind Taucher in der Sperrschleuse Hankekenfähr im Wasser und keiner kann im Moment durch. Der Schleusenwärter klärt die Lage im Unterwasser - wir bekommen einen Ansprechpartner, den wir anfunken können, sobald wir unten aus der Schleusenkammer ausfahren und bei Hanekenfähr ankommen. Auf Kanal 10 die LINGEN.

Nun ja, wir fahren bis Hanekenfähr und die LINGEN sagt uns, es ist Vollsperrung hier wegen Havarie. Wir sollen wieder zurück bis kurz vor der Schleuse und dann im Ems Oberarm an einen Anleger des Wasser- und Schifffahrtamtes. Also wieder retour. Ein Holländer funkt uns an, wir wären zu weit gefahren. Nee, sagt Cheffe, vor der Schleuse müssen wir in den Emsarm. Na gut! Aber da is dann nix ersichtlich und ich hab auch verstanden, dass wir am Hotel Wasserfall, auch an einem Emsarm, anlegen können. Cheffe sagt nee. DAS wär dann wieder gleich vor Hannekenfähr. Also nochmal retour. Ich ruf beim Hotel an, ob sie einen Platz für uns haben. Nein, aber die Nummer vom Hafenmeister. Herr Wilms geht ans Telefon, kann uns aber leider keinen Platz im Hafen geben. Aber wir suchen ja den Anleger vom WAS! Ja nee, sagt Herr Wilms, DA ist Anlegen strengstens verboten. Aber WIR haben eine Freigabe dafür - ganz offiziell. Zunächst ist Herr Wilms skeptisch, aber dass das WSA uns das Restaurant empfohlen hat, hat auch Herrn Wilms überzeugt.

Auf jeden Fall finden wir schlussendlich den Anleger vom WSA - hinterm Fahrgastschiff und vor dem Wasserfall ...

... und legen mit Sonnenuntergang an. Stimmungsvoll. Zunächst dachten wir, es gäbe keinen Strom, aber wenn die Kabel nicht reichen, würde das Hotel aushelfen mit ner Kabeltrommel. Brauchts nicht, langt grade so mit unseren 3 Verlängerungskabeln.

Nu muss Jack raus. Der darf wieder über einen Handtuchteppich tänzeln und am Weg über einen Teppich aus stacheligen Maronischalen. 

Friedlich schauts hier aus bei Sonnenuntergang, das nötige Antistressprogramm. 


Der Tag war super anstrengend, immer volle Konzentration auf Frachter, Funk, Schleusen, Baustellen, etc. - und wir hatten den DEK in fast romantischer Erinnerung von der letzten Fahrt. Cheffe meint, nächste Saison fahren wir über die deutsche Bucht zurück, da isses nicht so stressig!

Bevor wir jetzt ins Restaurant essen gehen, kriegt ihr noch die volle, rosarote Abenddröhnung, dann hab ich fertig - aber sowas von!





Gute Nacht!




Fazit des Tages:

- Anlegen ist hier streng verboten,

- doch WIR dürfen, mitsamt dem Herrn mit den vier Pfoten.

- Der Jack kann hier gut Gassi gehen,

- wir ham Strom, können den Kühlschrank wieder hochdrehen.

- Und das Beste kommt zum Schluss,

- das Restaurant, weil ich nix kochen muss.

Danke liebes Wasser - und Schifffahrtsamt!




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