Guten Morgen aus Burg - könnte grade nicht schöner sein. Wenn man schon früh aufstehn muss, ist DAS die Belohnung!
Der Schubverband, der heute an unserer Liegestelle übernachtet hat, legt Viertel vor 7 ab. Wir starten um 7. Wenn alles klappt, ist das unser Schleusentaxi - in ca. 45 Minuten.
Los gehts. Den Tatort an der IDYLLE lassen wir hinter uns, und moven jetzt selber weiter mit "COMFORT".
Cheffe gibt bisschen Gas, um dem Schuber hinterher zu kommen - der meldet sich schon an der Schleuse an. Allerdings sieht Cheffe auf dem AIS, der hat schon noch ein Stückerl bis Schleuseneinfahrt - die Südkammer ist schon vorbereitet. Also nochmal bisschen Gas geben, Schleuse anfunken und zügig ranfahren, während ich bei gutem Tempo der Silencio Fender und Leinen vorbereite.

Blick zum Niegripper Verbindungskanal - soviel Zeit muss sein.
Heute wird aus der Schleuse Hohenwarthe mal nicht Langewarthe - heute heißt sie Garnixwarthe! Perfektes Timing!! Wir kiregen von der Schleuse das OK zur Einfahrt hinter dem Schuber. "Bitte Festmachen am 2. Schwimmpoller an Steuerbord, wenn das geht. UND bitte nach der Schleuse hinter dem Frachter mit über die Trogbrücke fahren." Gut, alles klar, weisste Bescheid!
Los gehts - wird ne Weile dauern, bis 19 Meter Fallhöhe überwunden sind. Während der Schleusung fällt mir ein, ich könnt eigentlich noch Fotos machen. Cheffe holt mal eben mein Handy, dank der Schwimmpoller geht das. Die halbe Höhe haben wir schon geschafft, da ist die Schleuse nicht mehr ganz so eindrucksvoll auf den Bildern.
Jetzt also hinter dem Schuber her über die Elbe-Trogbrücke bei Magdeburg - Einbahnverkehr nur nach Genehmigung.
Jetzt ist erstmal Zeit für mein Frühstück. Ich rühr grade meinen Früchtequark an, da stoppt Cheffe auf. Aus der Schleuse Rothensee fährt ein holländischer Frachter aus, quer vor uns rüber, biegt ein und setzt sich zwischen uns und unser Schleusentaxi. Der Holländer ist ein Leerfahrer, fährt also schnell und somit ist klar, der überholt wahrscheinlich gleich unser Taxi und wir können wieder gemütlich hinterherschlampern. Und so isses auch.
Einen Blick werf ich noch Richtung Elbe, leider seh ich nix. Nur den Kirchturm von Hohenwarthe
UND den Kilimandscharo.
Bis zu unserem Tagesziel liegen jetzt viele Kilometer und einige Stunden Kanalfahrt vor uns. Ich glaub ich hol mal meinen Krimi raus. Obwohl?? Erst noch Fotografieren. Strommasten mal anders.
Bestes Wetter? Für uns ist wieder Heuschnupfenwetter. Ich schnupf schon seit vorgestern rum, Augen jucken, heute isses bei mir besser - aber nu jucken Cheffes Augen. Er braucht mal Tropfen. Cheffe tropft, ich übernehme das Ruder ... und ... fahre Schlangenlinien durch die ganze Bahn. Mann Mann Mann, lange nicht gefahren ... DAS ist vielleicht ein Geeiere. Nur gut, dass Weit und Breit keiner ist, der DAS sehen kann. Und anstrengend find ichs außerdem - ich übergebe das Ruder wieder an Cheffe ... sehr sehr gerne! Ich kümmer mich lieber um die Graffity am Ufer.
Der Frachterbetrieb auf dem Wasser nimmt stetig zu und zwar richtig. Laufend kommen uns Frachter entgegen.
Oft kommen gleich 2 hintereinander und es kommt was kommen muss. Überholmanöver im Gegenverkehr - die beiden Tschechen sprechen sich über Funk ab, nur leider auf Tschechisch, aber Cheffe ahnt schon, dass es ums Überholen geht. Wenn zwei Dicke nebeneinander auf uns zukommen, ist das nicht soo ein gutes Gefühl.
Gleich hören wir NAVIGAR 2 am Funk. Die wendet an der Wendeplatte und fährt wieder zu Tal. Oh Mann, jetzt kommt die hinter uns her und wird uns wahrscheinlich irgendwann überholen. Aber da kommt jetzt Käptn Kalles Liegestellenverzeichnis zum Einsatz und Cheffe rechnet. Wie schnell kommt NAVIGAR näher, wann kommt die nächste Liegestelle ... könnte gut passen an Kilometer 284 anzulegen, um die NAVIGAR vorbei zu lassen. Würde eh passen, um Jack mal zu lüften. So machen wirs! Zwischendurch muss ich Cheffe mal ablösen am Ruder - auch er muss mal für kleine Königstiger. Als er zurück kommt meint er: "Das Popometer sagt mir, es hat gut geklappt." Popometer? Schon klar, er merkt nämlich sogar auf dem WC, wenn ich Schlangenlinien fahre. Und gleich kommt die Story, als er mir zum allerersten Mal das Ruder bei einem Charterschiff übergeben hatte. Einfach so, ohne Vorbereitung und das auf der Ostsee. Da hätts ihn beinahe vom Clo gebeamt. Dazu kann ich nur sagen: Ist einmal Gras über ne Sache gewachsen, kommt bestimmt ein Kamel und frissts wieder ab!!
Wir erreichen jedenfalls Kilometer 284. Anlegen, Jack raus, NAViGAR rückt näher ... und was sehen meine Äugelein? Die NAVIGAR macht bereit zum ANLEEGEN!! Da kriegste doch die Motten! Na, immerhin ist der Jack ausreichend gelüftet. Wir legen wieder ab und im Vorbeifahren sehen wir, die NAVIGAR hat hier Crew-Wechsel. Na da werden se wohl bisschen Zeit brauchen und uns nicht gleich wieder auf die Pelle rücken. Müsste also für die letzten 16 Kilometer, heißt 1,5 Stunden, Ruhe sein ... jedenfalls von hinten. Gegenverkehr hats schon, das geht hier zu wie am Stachus. Halb 3 liegen wir fest an unserem Tagesziel - MLK Kilometer 269 am ...
Wir sind allein an der Liegestelle.
An unserem Weg, Apfelbäume soweit das Auge reicht. An der Ernte scheint niemand Interesse zu haben. Verwunderlich, es sind schöne alte Sorten dabei. Z.B. Duchess of Oldenburg oder Ashmead's Kernel
(englische Boskopsorte)
Wir schon, aber leider haben wir keine Tasche mitgenommen. Wir stecken in die Hosentaschen was geht, passt allerdings nicht sehr viel rein. Da müssen jetzt die frischen Hundetüten herhalten. Daheim kriegen die "Klauäpfelchen" einen Platz neben den gesammelten Walnüssen aus Burgwall.
Nach der Laufrunde brauchen wir dringend eine Dusche - unser Weg hatte kaum Schatten, da mussten wir ordentlich schwitzen. Langsam kehrt am Drömling Abendstimmung ein, nach und nach wird der Traffic weniger und die ersten Frachter kommen an die Liegestelle für die Nacht.
Fazit des Tages:
- Schwimmpoller sind ne feine Sache,
- ich überleg, was während Schleusung ich so mache?
- Haare stylen, oder Gymnastik mit Gewicht?
- Oder gar eine refeshing Maske ins Gesicht?
- Zeit dazu wäre genug,
- denn 19 Meter hat die Garnixwarthe Hub.







































Ach Edith, es ist wirklich spannend, euren Weg Richtung Niederlande mitzulesen. 😊 Du schreibst die Kanalfahrt so lebendig, dass man am liebsten sofort die Leinen loswerfen und selbst hinter einem „Schleusentaxi“ herfahren möchte. 😄⚓
AntwortenLöschenUnd Garnixwarthe statt Langewarthe – besser kann das Timing wirklich nicht sein! 😂
Wir bekommen jedenfalls gerade mächtig Lust auf so eine lange Kanaltour. ❤️
☀️⚓️Gruß von der YOLO⚓️☀️
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