Die Seenotretter

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Dienstag, 29. September 2026

171. Senang, Comfort und Idylle

Weckzeit 6 Uhr! In Brandenburg rührt sich noch nix. Nur on Silencio ist schon Betrieb, denn Florian muss heute zum Zug Richtung Bayern.

Während wir bei unserem letzten gemeinsamen Frühstück sitzen, wacht Brandenburg langsam auf.



Um halb 8 ist es soweit, Florian geht von Bord. Dass wir jetzt weiter Bootfahren können, darum beneidet er uns sehr. Bye bye Florian, schön was!!



Wir legen gleich ab und schon sehen wir Florian wieder. Er steht auf der Brücke, bereit für letzte Bilder von der Silencio.





Unter der Brücke durch - letzter Blick auf die Silencio.




Wir schlendern gemütlich durch Brandenburg und weiter über die Niederhavel.





Garagen bis zum Horizont!













Und während wir so gemütlich durch die Natur schlampern, hat Florian schon richtig Stress. Womit? Ja wer hätt's gedacht - mit der Bahn natürlich! Zug fällt aus!! Schienenersatzverkehr! WO fährt der ab? WO muss Florian hin? Immer das gleiche Theater mit der Bahn. Nach einigem Hin und Her sitzt Florian im richtigen Bus nach Rathenow und dann im Zug weiter nach Berlin. Anschluss sollte somit passen!

Wir legen kurz nach 9 Uhr im Wartebereich der Schleuse Wusterwitz an. Der Schleusenwärter wird uns über Funk aufrufen, dauert aber, sagt er. Berufsschifffahrt im Gegenverkehr. Nebenher können wir den Funkverkehr Berufsschiff / Schleuse mithören. Das Schiff bekommt ne Ansage, denn es fährt ohne AIS und ist somit im Blindflug unterwegs. Das könnte teuer werden, meint der Schleusenwärter. Und so ganz nebenbei fällt Cheffe auf, dass man hier im Wartebereich auch mal gut mit dem Hund raus könnte. Mit dem Hund raus??? War eigentlich heut früh jemand mit Jack draußen? Nee, haben wir glatt vergessen. Armer Jack - liegt brav unterm Tisch und sagt nix! Gut, dass wir hier bisschen Zeit haben und Landzugang und zwar so, dass Jack richtig gut sausen kann. Sein Frühstück kriegt er gleich nach dem Sausi ... und schon liegt er wieder unterm Tisch! Nach ner guten halben Stunde kriegen wir grünes Licht für die Schleuseneinfahrt - noch ein weiteres Sportboot kommt hinter uns her, 16 Meter lang. Wir legen an Backbord in der Schleuse an und so weit vorne, dass der andere Sporti noch viel Platz hinter uns hat. Bei der Breite der Schleuse könnte er auch neben uns liegen. Aaaber ... das will der Sporti alles nicht, er fährt in der Schleuse an uns vorbei und legt vor uns an ... gaaanz schlechte Seemannschaft! Während der Schleusung - und die ist Wellness pur - da könnste nebenher die Fingernägel lackieren - lässt das Sportboot den Motor laufen. Na, DAS soll er mal in der Schleuse Hohenwarthe machen ... DA holt er sich einen Anschiss vom Feinsten ab. Die mosern schon beim Bug - und Heckstrahlruder. Die Wellnessschleusung dauert 20 Minuten, Fallhöhe 4,75 Meter.

Der Sporti, die SENANG, orgelt mit Bugstrahlruder aus der Schleuse und dümpelt dann vor uns her. Cheffe versucht Funkkontakt herzustellen - nüscht, wahrscheinlich ist der noch aufm Schleusenkanal unterwegs. Egal jetzt, Cheffe überholt, SENANG gibt Gas, muss sich aber trotzdem hinten anstellen. Muss man alles nicht verstehen, oder!? Später setzt die SENANG zum überholen an und pretscht mit ordentlicher Bugwelle an uns vorbei.


Und düst davon. Schau mer mal, ob wir se an der Schleuse Zerben wieder treffen. Könnte man auch drauf verzichten. Bis dahin aber, ist hier sommerliches Kanalschrubben angesagt.


Vor Zerben funkt die SENANG die Schleuse an. Die freundliche Schleusenwärterin meint, sie könne die SENANG nicht verstehen und auch nicht das AIS Signal empfangen. Kein Wunder, denn die Funkantennen liegen auf der SENANG und zeigen dazu noch nach hinten. AHAA! Plötzlich sagt die Schleusenwärterin: "Ich seh euch jetzt! Ihr seid das13 Meter Sportboot kurz vor dem Pareyer Verbindungskanal!?" HAHA! Nee, DAS sind wir. Bestimmt ist der SENAG Captain jetzt bisschen beleidigt, er hat ja schließlich 3 Meter mehr vorzuweisen. Er soll sich melden, wenn er näher kommt. Ok! Die Schleusenwärterin wartet auf SENANG, obwohl ein Berufsschiff schon in der Schleuse liegt. SENANG meldet sich nicht, aber die Schleusenwärterin: "Der meldet sich nicht, ich schleus dich jetzt alleine," sagt se zum Berufsschiff. Hui, da ist der SENANG Captain gleich wach und soll auf Anweisung Gas geben, dann kann er noch mit. In der Schleuse dann Funke: SENANG an Schleuse - wo sollen wir festmachen??? Mit leicht angenervtem Unterton kommt von der Schleuse: "Wo Sie möchten!" Was sind wir froh, dass es nicht für uns langt zum mitschleusen. Das ist ja zum Fremdschämen. Wir kommen später an, legen an der Wartestelle an und warten gerne.

SENANG an Schleuse: "Wir haben einen Fender verloren!" Schleuse: "Kann passieren, gute Weiterreise!"

Cheffe meldet sich jetzt ordnungsgemäß an - die Schleuse kommt leer zu Tal und wir kriegen nochmal eine perfekte Wellnessfahrt, 5,50 Meter zu Berg. Vielen Dank!

Nach Zerben wirds ein Stünderl dauern bis zum Tagesziel - Tatort Überführungstörn - Burg bei Magdeburg. Bis dahin sitz ich draußen in der Sonne mit Krimi und Kaffee.



Cheffe navigiert bis zum Ziel mit silencioeigenem Co. Captain. Aber ob DER so hilfreich ist??


Unser Tagesziel kommt in Sicht. Der Sportbootanleger an der Spundwand in Burg. Zwei Boote liegen schon da, natürlich mit optimalster Platzeinteilung. Und wieder mal sind es so ne Schrottkähne, die einfach irgendwo kostenfrei dauerhaft hingelegt werden. Cheffe quetscht die Silencio gekonnt in die Lücke zwischen den beiden Schiffen, und so liegen wir ab 15 Uhr an der Spundwand in Burg zwischen der IDYLLE und der MOVING COMFORT. Ich schmeiß mich gleich weg bei diesen Namen.





Für den restlichen Nachmittag suchen wir uns ein schattiges Plätzchen in der Plicht - denn es ist Sommer bei 28 Grad! Abends 18 Uhr sitzen wir in kurzer Hose und T-Shirt draußen im Schatten und schlürfen den letzten Cider der Saison mit Genuss!




Fazit des Tages:

- Wir liegen hier zum Nachtquartier,

- between Idylle und Comfort am Pier.

- Doch was macht hier Comfort und Idyll?

... Rumliegen ...

- Bis se kommen in den Müll!

Dauert bestimmt nimmer lang!


2 Kommentare:

  1. Also Edith, die SENANG war heute wirklich das Geschenk, das immer weiterliefert. 😂 Erst in der Schleuse an euch vorbei, dann mit Bugstrahlruder und Bugwelle ordentlich auf dicke Hose machen, Funkantennen flachgelegt und trotzdem überall mitmischen wollen.

    Und dann der Höhepunkt:

    „SENANG an Schleuse: Wir haben einen Fender verloren!“

    Ich sag mal so: Karma braucht manchmal keine 24 Stunden. 😂 Wer vorher so viel Theater veranstaltet, darf hinterher auch mal Inventur machen. Einer weniger. Vielleicht bremst das ja die Bugwelle ein bisschen.

    Die Antwort der Schleuse „Kann passieren, gute Weiterreise!“ war ja fast schon hanseatisch trocken. Ich hätte wahrscheinlich erst mal gefragt, ob der Fender wenigstens AIS hatte. 😇

    Und dann Burg: IDYLLE und MOVING COMFORT. Diese Rummelkähne sind auch wieder allerliebst. Namen wie Wellnesshotel, Liegeverhalten wie Sperrmüll mit Festmacher. Vor allem „Moving Comfort“ gefällt mir – beim Moving scheint allerdings schon länger Pause zu sein. 😂

    Und natürlich ist der Co. Captain hilfreich! Was ist das überhaupt für eine Frage? Viel hilft viel. Einer muss Cheffe schließlich den Weg zeigen, während er gleichzeitig SENANG beobachtet, Schleusenfunk mithört und sich zwischen den Rummelkähnen durchfädelt.

    Herrliche Etappe. Bahnchaos, Schleusenkino, 16 Meter Ego und am Ende ein Fender weniger. So muss Blog sein. 😂

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  2. Die Spundwand…. Wenigstens und zum Glück seid ihr dieses Mal dort „weniger havariert“ und nicht aufs Pizzataxi 🍕 angewiesen. Die würden sich sicher an euch erinnern ….😘🍀 LG Corina

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