DAS war noch ein Abend gestern! Gewittermeldung mit Unwetterwarnung. Cheffe fährt schon frühzeitig mit Jack raus, war ja eh schon über den Tag der Pendelverkehr zur Badestelle eingerichtet. Also rüber ans Ufer mit der Pendelgurke, da darf Jack die Büsche bewässern und danach nochmal baden. Hinterher ist er SEHR zufrieden mit der Welt und vor Allem mit sich. Sein Auge übrigens - auf dem Weg der Besserung. In regelmäßigen Abständen hab ichs mit steriler Kochsalzlösung gespült und das Auge gereinigt. Von dem Zeug hab ich ja genug dabei für meine Kontaktlinsen. Und Jack ist da super geduldig - einmal gespült, dann legt er sich beim zweiten Mal schon automatisch auf seinem Bett parat für die Prozedur.
Nach Jacks Abkühlung baden wir auch noch eine Runde im See, dann wird alles fertig gemacht für das drohende Gewitter ... nix isses bei uns. Bisschen Wind, Regentropfen handverlesen, megaschwüle Luft, aber dafür Stimmung am abendlichen Gewitterhimmel.
Immerhin sorgt der Wind für Durchzug im Schiff, und bringt so eine erträgliche Schlaftemperatur in die Silencio. Aber, meine Kabinentür bleibt heute offen! DAS führt dazu, dass ich den Sonnenaufgang heute NICHT verpasse - Cheffe schnarcht mich wach. Der pure Genuss ist es, um 4.30 Uhr in der frischen Morgenluft den Sonnenaufgang zu bewundern. Dazu noch spiegelglattes Wasser - nix Schöneres kann ich mir vorstellen! Kaffee wär vielleicht nicht schlecht dazu, aber damit würde ich Cheffe wecken. Ich hör ja, dass er noch seelig schläft. Jetzt dann eben Sun-up mit ohne Kaffee!
Wird wohl wieder heiß werden. Bevor ich wieder in meiner Koje verschwinde - noch ein kurzer Blick durchs Mosquitonetz zurück auf den glühenden Planeten.
Ich schlaf weiter, jetzt mit Türe zu. Auch das Mückennetz kann weg von der Decksluke, es strömt sehr angenehme Luft direkt auf mein Bett - Herrlich ... und schon ratz ich wieder. Aber ... nicht sehr lange. Es kommt strammer Wind auf aus Nordost, das totale Gegenteil der Vorhersage. Die Decksluke hauts vom Wind gleich zu. Angekündigt war es ganz windarm und jetzt haben wir hier in der Sietower Bucht mehr als nen halben Meter Welle.
Vorhersage
Messung
Cheffe sitzt schon im Steuerstuhl - Scheinankerer beobachten ... treiben Gott sei Dank in die richtige Richtung, heißt von uns weg bzw. an uns vorbei! Das is schon mal gut! Garagen treiben im Päckchen auf die Stellnetze zu bis zum Anschlag - die Linssenschüssel gleich hinterher.
Erst beim Kontakt mit den Stangen der Netze kommt Leben in die Bude. Im Päckchen, einer fährt dabei vorwärts und der Andere hängt andersrum dran, fahren sie aus der Bucht ....
... lösen das Päckchen auf, um sich weiter draussen wieder im Päckchen treiben zu lassen.
Kann man machen, muss man aber nicht! Unser Plan war eigentlich, am Sietower Steg anzulegen und Strom zu laden - das passt bei dieser Wind - und Wellensituation jetzt so gar nicht. Auch ne Fahrt mit der Gurke und Jack - keine Chance. Bleibt nur Anker auf und zurück zum Claassee. Gedacht, getan, Anker auf - am Plotter sehen wir, unsere Ankerkette hat sich mächtig in Windrichtung gestreckt, aber alles hält wie zementiert. Los gehts über die wild gewordene Müritz - gar nicht mal so gut bei mittlerweile über nem Meter Welle.
Tisch und Stühle in der Plicht liegen vorsorglich schon auf dem Teak. Rumstehendes Geschirr in der Küche verstau ich noch schnell irgendwo, müsste alles passen ... bis auf ... unser Zeckenkrematorium, ein massives Glas für Teelichter eigentlich, macht den Abflug durch den Salon. Glück gehabt, Scherben gibts keine! Kurz vor unserer Hafeneinfahrt sind wir schon etwas in Landabdeckung und es wird ruhiger.
Es liegt ein Katamaran im Wasser, wies ausschaut wahrscheinlich mit Mastbruch. Cheffe nimmt Gas raus, schau mer mal, der Segler wird wohl Hilfe brauchen. Diesmal sind aber nicht wir dran, es kommt schon ein kleineres Boot und schleppt den Segler ab. Auch recht!
Im Hafen, nach einem butterweichen Anlegemanöver, darf zuallererst Jack raus. Geschäfte sind zu erledigen und natürlich darf er ins Wasser. Für uns ist Baden im Hafen nix, da wird wohl die Borddusche zum Einsatz kommen. Und der Nordwind, der ist hier fein - erstens hört man nix vom Fusion Festival und zweitens halten wirs an Bord ganz gut aus, obwohl das Thermometer schon wieder 32 Grad anzeigt. Höchsttemperatur im Schiff heute 35 Grad, mittags gibts Salat, nachmittags mehrere Duscheinheiten und gegen Abend gehts wieder in die Ankerbucht. Diesmal kleine Müritz.
Unterwegs werden wir überholt von einem e-foiler und kaum biegen wir um die Ecke in die Bucht, sitzt der e-foiler auf seinem board und winkt. Hat er wohl ein Problem?
Andere Ankerlieger in der Bucht scheints nicht zu interessieren - Cheffe steuert hin und ich frag mal, obs ein Problem gibt. Jep, er müsse irgendwie an Land kommen, der Akku sei leer. Na denn - bisschen warten muss er halt, bis unser Anker sitzt - aber dann holt Cheffe ihn mit der Gurke ab ...
... und schleppt den Foiler ans Ufer zu den Bootshütten.
Dort werden sie sehr kritisch begutachtet. Die Bootsschuppenbesitzer mögen es nämlich gar nicht, wenn man an ihren Stegen anlegen will. Cheffe fragt gleich, ob sie einen Havaristen übernehmen können. "Was denn für eine Havarie?" Strom alle - der junge Mann braucht ne Steckdose. "Na dann, kommt mal ran!" So bekommt der Foiler wieder einen vollen Akku und Cheffe zwitschert wieder ab. Er will an der Silencio grad wieder aus der Gurke steigen, da bemerkt er den Helm des foilers. Mist, nochmal zurück, Helm abliefern. Aber dann - endlich baden - traumhaft ... obwohl das Wasser schon ziemlich warm ist. Aber wie hat Thomas in seinem
YOLO - Blog heute geschrieben: Wenn das Wasser wärmer ist, als der Kaffee am Morgen, weisst du: Der Sommer meint es ernst!
Während wir erfrischt im Abendlicht ein eiskaltes Getränk schlürfen -Tonic Water mit Zitrone und Aperol-
- fährt fröhlich winkend der Foiler vorbei. Hat wohl gut geklappt mit dem Aufladen.
Den Abschluss des Tages macht der fast volle Mond - und erleuchtet uns den Weg zur Koje. Gute Nacht!
Fazit des Tages:
- Garage treibt, das ist der erste Streich,
- die Linssen folgt ins Netz sogleich!
- Die Wellen steigen nicht zu knapp,
... brauchst nicht mal Windfinder ...
- s'zeigt an der Kaffee, der aus deiner Tasse schwappt.
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